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Einschlagkrater offenbaren
Details von Titans Oberflächen-Verwitterung

Titan, aufgenommen von Cassini

Saturnmond Titan im infraroten Licht, aufgenommen von Cassini im Jahr 2015.
Einige Bereiche sind höher aufgelöst, da sie zum Zeitpunkt der größten Annäherung Cassinis an Titan entstanden.

Große Version; Bild: NASA/JPL/University of Arizona/University of Idaho

Eine neue Studie an neun Impaktkratern auf dem Saturnmond Titan offenbart neue Details über den Einfluss der Verwitterung auf die Entwicklung der Titan-Oberfläche und ihren Untergrund. Sie basiert auf Daten von Instrumenten der NASA-Saturnmission Cassini (2004-2017), die Titan im visuellen und infraroten Spektralbereich beobachteten.

Die Forscher erkannten in einer bisher nie erreichten Genauigkeit, wie sich die Krater entwickeln und wie das Wetter auf dem größten Mond Saturns seine Oberfläche verändert.

Aufgrund der dichten Atmosphäre Titans dringen weniger Asteroiden bis auf die Oberfläche vor als z.B. auf dem Erdmond. Zudem trägt die Verwitterung zur Auslöschung kleiner und mittelgroßer Krater bei. Auf Titan sind daher vergleichsweise wenige Krater vorhanden. Dennoch ermöglichen sie einen Blick in tiefere Schichten des Saturnmondes.

Den Untersuchungen zufolge können die Krater in zwei Kategorien eingeteilt werden: Eine Gruppe innerhalb der äquatornahen Dünen und eine in den ausgedehnten Ebenen in mittleren Breiten. Lage und Aufbau der Krater stehen im Zusammenhang: Die Exemplare in den Dünen bestehen komplett aus organischem Material. Im Gegensatz dazu beinhalten die Krater in den Ebenen eine Mischung aus organischem Material, Wassereis und eine geringe Menge Methaneis.

Die Krater durchlaufen abhängig von ihrer Lage auf Titan unterschiedliche geologische Entwicklungen. In mittleren Breiten wird die Mischung aus organischem Material und Wasser durch die beim Einschlag entstandene Hitze verursacht. Die Oberfläche wird dann vom Methan-Regen ausgewaschen. (Anmerkung des Autors: Methan nimmt auf Titan die Rolle des irdischen Wassers ein: Es tritt sowohl flüssig als Regen und an der Oberfläche als auch in Form von Eis und gasförmig auf.) In Äquatornähe tritt dieser Prozess nicht auf, da die Krater dort schnell von Sand bedeckt werden.

Das bedeutet, dass die Atmosphäre und das Wetter Titans nicht nur seine Oberfläche formen. Sie treiben auch einen Prozess an, der darüber entscheidet, welche Materialien an der Oberfläche aufgeschlossen sind.

Es wurden in den Kratern Hinweise auf Titans dynamische Oberfläche gefunden, die es ermöglichen, eine der bisher vollständigsten Evolutions-Geschichten von Titans Oberfläche zu erschließen. Die Analysen weisen darauf hin, dass Titans Oberfläche bis heute eine dynamische Welt ist. Sie steht aktiv mit atmosphärischen und möglicherweise auch unterirdischen Prozessen in Verbindung.

Forscher wollen mehr über Titans astrobiologisches Potential erfahren. Er besitzt unter der Kruste einen Ozean aus Wasser und Methan. Einschlagkrater sind ein Fenster unter die Oberfläche und können den Weg für organische Materialien von der Oberfläche in die unterirdischen Ozeane ermöglichen.

Im Rahmen dieser Studie wurde ein Krater (Selk) identifiziert, der komplett von organischem Material bedeckt ist und, im Gegensatz zu anderen Kratern, nicht vom Regen beeinflusst wurde. Selk ist ein mögliches Ziel der Dragonfly-Mission. Nach dem für 2027 geplanten Start, soll sie auf Titan einen Helikopter absetzen und nach biologisch relevanten chemischen Prozessen suchen, die auch auf der Erde, bevor sich Leben entwickelte, vorherrschten.

06.11.2020

Quelle: https://www.jpl.nasa.gov/news/news.php?feature=7773

 

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